Artikel

Google Ads scrapen: Wie ich Marktdaten erhebe – und was sie wirklich hergeben

Die Methodik hinter den Marktreports: Datenerhebung, Aussagekraft und die Grenzen von Google-Ads-Scraping.

·

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

  • Das Verfahren: Ein spezialisierter Dienstleister stellt für jeden beobachteten Suchbegriff stündlich eine echte Suche bei Google. Ausgewertet wird, wer eine Anzeige geschaltet hat, an welcher Stelle, mit welchem Text und mit welcher Zielseite. Gemessen wird in Blöcken von zwei Wochen.
  • Was dabei herauskommt: Ein Wert, den ich Sichtbarkeit nenne — der Anteil meiner Messungen, in denen ein Anbieter mit einer Anzeige vertreten war. Nichts anderes.
  • Die Grenzen: Die Daten sind zwangsläufig verzerrt. Google wehrt automatisierte Anfragen ab, und Google zeigt jedem Menschen etwas anderes. Eine Messung sieht immer nur das, was ein Nutzer ohne Vergangenheit sehen würde.
  • Warum die Zahlen trotzdem taugen: Weil jeder Markt nach demselben Verfahren gemessen wird. Ein Fehler, der überall gleich wirkt, verschiebt die absoluten Werte — die Rangfolge zwischen den Anbietern bleibt aussagekräftig.
  • Was nicht messbar ist: Klicks, Umsatz und eingehende Anfragen eines Wettbewerbers. Diese Zahlen liegen in dessen eigenem Werbekonto und sind von außen nicht zugänglich. Mit keiner Technik und keinem Budget.
  • Wie Sie die Zahlen lesen: Als Verhältnis, nicht als exakten Wert. „Anbieter A ist deutlich präsenter als Anbieter B" hält. Eine Zahl auf die Nachkommastelle zu zitieren, überdehnt sie.

Ich veröffentliche Marktreports, in denen steht, wer in einer bestimmten Branche bei Google Werbung schaltet, wie oft, auf welcher Position und mit welchen Texten. Dieser Artikel erklärt, wie diese Zahlen zustande kommen — einschließlich der Stellen, an denen die Methode an ihre Grenzen stößt.

Er existiert, damit Sie meine Zahlen prüfen können, bevor Sie ihnen glauben.

Die Kurzfassung: Ich lasse stündlich echte Google-Suchen durchführen und werte aus, welche Werbung dabei erscheint. Über zwei Wochen, mit einem festgelegten Satz an Suchbegriffen, für jeden Report nach demselben Verfahren. Daraus entsteht ein Bild davon, wer sich in einem Markt wie viel Aufmerksamkeit kauft.

Dieses Bild ist nicht exakt. Es kann es auch nicht sein — dazu später mehr. Es ist standardisiert. Und weil es für jeden Markt gleich erhoben wird, lassen sich daraus belastbare Aussagen über Verhältnisse und Entwicklungen ableiten.

Meine Zahlen zeigen Zusammenhänge, keine exakten Werte. Sie sagen Ihnen, wer in einem Markt mehr Werbung schaltet als wer. Sie sagen Ihnen nicht, was dabei für den Anbieter herauskommt.

Das ist der wichtigste Satz dieses Artikels. Wer die Zahlen anders liest, liest sie falsch.

Was ich tue

Ich nutze einen professionellen Scraping-Dienstleister. „Scraping" heißt: Ein Dienst ruft automatisiert Webseiten ab und liest aus, was darauf steht. In diesem Fall sind es Google-Suchergebnisseiten.

Der Ablauf ist simpel. Für jedes Suchwort, das ich beobachte, wird stündlich eine Suche bei Google gestellt. Die Ergebnisseite wird ausgewertet. Ich sehe dann: Welcher Anbieter hat eine Anzeige geschaltet? An welcher Stelle stand sie? Welcher Text stand darin? Auf welche Seite führte der Klick?

Aus diesen Einzelbeobachtungen entsteht die eine Zahl, um die sich meine Reports drehen: die Sichtbarkeit. Sie beantwortet genau eine Frage — in wie viel Prozent meiner Messungen war ein Anbieter mit einer Anzeige zu sehen? Mehr steckt nicht dahinter. Kein Punktesystem, keine Bewertung. Abgezählte Beobachtungen, geteilt durch die Zahl der Messungen.

Stündlich zu messen ist bewusst gewählt. Wer bei Google Werbung schaltet, kann im eigenen Konto festlegen, zu welchen Zeiten seine Anzeigen laufen sollen — montags bis sonntags, im Stundentakt. Das nennt sich Anzeigenzeitplan (auf Englisch: Ads Schedule). Wer nur einmal am Tag misst, sieht diese Muster nicht.

Das ist kein technisches Detail. Ein Anbieter, der seine Anzeigen nur werktags von acht bis siebzehn Uhr laufen lässt, sieht bei einer Tagesmessung aus wie ein Dauerwerber. Bei stündlicher Messung sieht man, dass er zwei Drittel der Woche gar nicht am Markt ist.

Wie viele Suchbegriffe für einen Report nötig sind, hängt komplett vom Markt ab. In einer engen Nische reichen manchmal drei. In breiten Themenfeldern sind es zwanzig bis dreißig oder mehr, aufgeteilt in Untergruppen.

Ein Beispiel aus der Praxis: Der Bereich Lohnfertigung. Dort umfasst die Gesamtgruppe rund achtzig Suchbegriffe, verteilt über mehrere Teilbereiche — CNC-Bearbeitung, Metallbearbeitung, Kunststoffbearbeitung, Kunststoffguss, Aluguss, Druckguss, Zinkguss, Baugruppenmontage. Jeder dieser Teilbereiche wird einzeln ausgewertet und enthält typischerweise fünf bis fünfzehn Suchbegriffe.

Es gibt dafür keine feste Vorgabe. Die Größe richtet sich danach, wie breit das Angebot in der jeweiligen Branche tatsächlich ist.

Warum ich das Google-Ads-Scraping nicht selbst mache

Google will nicht, dass seine Suchergebnisse automatisiert abgegriffen werden. Es gibt einen dauerhaften Abwehrkampf zwischen Google und den Anbietern, die genau das tun. Ein Wettrüsten, das nie endet.

Google wehrt sich dabei nicht nur, indem es Anfragen blockiert. Es liefert bei erkanntem Scraping auch absichtlich falsche oder gar keine Ergebnisse aus. Man merkt also unter Umständen nicht einmal, dass die eigenen Daten wertlos sind.

Das ist der Grund, warum ich es nicht selbst mache: Gegen diese Abwehr anzukommen ist eine Vollzeitaufgabe für Spezialisten, kein Nebenprojekt.

Der naheliegende Einwand dazu: Wenn Scraping gegen Googles Nutzungsbedingungen verstößt, ändert sich daran nichts, nur weil ein Dienstleister es übernimmt. Das stimmt, und ich behaupte nichts anderes. Es geht mir hier nicht darum, ein Problem wegzudelegieren, sondern um die Datenqualität — die Frage, ob am Ende überhaupt brauchbare Ergebnisse herauskommen.

Ich habe mehrere Anbieter selbst getestet und verglichen. Welchen ich heute nutze und nach welchen konkreten Kriterien ich mich entschieden habe, halte ich zurück — das ist ein Teil meiner Arbeitsgrundlage. Den Maßstab dagegen lege ich offen, denn der ist der eigentlich interessante Teil.

Das zentrale Problem bei der Anbieterauswahl: Nicht jeder Anbieter liefert überhaupt echte Scraping-Daten.

Viele mischen Daten aus dem Google Ads Transparency Center bei. Das ist ein öffentliches Archiv, in dem Google zeigt, welche Anzeigen ein Werbetreibender geschaltet hat. Diese Daten stammen nicht aus einer echten, live gestellten Suchanfrage mit einer echten Werbeauktion im Hintergrund. Sie sind aus anderen Quellen zusammengesetzt.

Für eine Marktanalyse ist das ein Unterschied ums Ganze. Ich will nicht wissen, welche Anzeigen jemand irgendwann einmal hinterlegt hat. Ich will wissen, was ein Suchender an einem Dienstagvormittag tatsächlich zu sehen bekommt. Und dass viele Anbieter nicht transparent kommunizieren, woher ihre Daten kommen, macht die Sache nicht einfacher.

Drei Bedingungen muss ein Anbieter deshalb erfüllen:

  • Jeder einzelne Datenpunkt muss aus einer echten, tatsächlich bei Google gestellten Anfrage stammen. Mit einer echten Auktion der Werbetreibenden im Hintergrund.
  • Die Anfrage muss vom tatsächlich gewünschten Ort aus gestellt werden. Nicht aus einem Rechenzentrum, das Google als Scraping-Infrastruktur erkennt — und dem es dann bewusst andere Ergebnisse ausliefert.
  • Der Anbieter muss das in großer Menge können. Vom richtigen Ort, mit Internetadressen und Nutzerprofilen, die Google nicht als automatisierten Verkehr identifiziert.

Wenn eine Anfrage nicht wie ein echter Mensch am richtigen Ort aussieht, bekommt sie nicht das, was ein echter Mensch am richtigen Ort sehen würde.

Nach diesem Maßstab habe ich meinen Anbieter ausgewählt. Was dieser Maßstab nicht leistet, steht im nächsten Abschnitt.

Erste Einschränkung: Gescrapte Google-Ads-Daten sind zwangsläufig verzerrt

Hier muss ich deutlich werden, bevor jemand die Zahlen für exakter hält, als sie sind.

Man wird bei dieser Methode immer verfälschte Daten erhalten. Immer.

Dafür gibt es zwei Gründe.

Der erste ist der Abwehrkampf selbst. Die drei Bedingungen aus dem vorigen Abschnitt verkleinern dieses Problem. Sie lösen es nicht. Jede Gegenmaßnahme eines Scraping-Anbieters ist ein Näherungsversuch, kein Naturgesetz. Was am Ende zurückkommt, ist nie garantiert identisch mit dem, was ein Mensch gesehen hätte.

Der zweite Grund wiegt schwerer: Google personalisiert seine Suchergebnisse massiv. Was Sie bei einer Suche sehen, hängt davon ab, wo Sie gerade sind, wo Sie in den letzten Wochen waren, was Google sonst über Sie weiß — bis hin zu Zahlungsdaten, wenn Sie etwa Google Pay nutzen.

Eine Scraper-Anfrage kann das nicht nachbauen. Sie simuliert einen Nutzer ohne Vergangenheit. Jemanden, über den Google nichts weiß.

Das heißt: Selbst wenn ein Anbieter jede Abwehrmaßnahme perfekt umgehen würde, sähe man immer nur das Ergebnis für einen Menschen ohne Datenprofil. Nie die reale, personalisierte Realität eines konkreten Suchenden.

Wie stark das durchschlägt, zeigt eine Zahl aus meinen eigenen Messungen: Nur etwa 30 % der Suchanfragen liefern überhaupt Werbeanzeigen zurück. Ein echter Nutzer bekommt bei kommerziellen Suchen deutlich häufiger Werbung zu sehen.

Diese Lücke hat mehrere Ursachen gleichzeitig, und ich kann sie nicht sauber voneinander trennen: das fehlende Nutzerprofil, Googles Abwehrmaßnahmen — und schlicht Suchbegriffe, auf die zu diesem Zeitpunkt niemand geboten hat.

Für die Zahlen in den Reports folgt daraus etwas Wichtiges. Die Sichtbarkeit rechne ich immer auf die Gesamtzahl aller Messungen, auch auf die ohne Werbung. Für den Vergleich zwischen zwei Anbietern ändert das nichts, weil die Grundmenge für beide dieselbe ist. Für die Höhe der einzelnen Zahl ändert es viel: Sie fällt niedriger aus, als ein echter Nutzer es erleben würde.

Mit dieser Einschränkung muss man leben. Ich halte das Ergebnis trotzdem für gut genug — und zwar aus einem bestimmten Grund.

Wenn genug Einzelmessungen zusammenkommen, entsteht ein sehr sauber standardisiertes Bild des durchschnittlichen Marktes. Nicht des individuellen Falls.

Ich will nicht wissen, was Hans Heinrich Böhm, 56, wohnhaft in Hintertupfingen, auf seinem Handy sieht. Ich will einen generellen Querschnitt über den Markt.

Für die Frage „Wer kauft sich hier wie viel Fläche?" ist der Querschnitt die richtige Antwortebene. Für die Frage „Was sieht mein Kunde Müller?" wäre er die falsche.

Zweite Einschränkung: Alles hängt an der Auswahl der Suchbegriffe

Das Ergebnis eines Reports hängt massiv davon ab, welche Suchbegriffe ich beobachte. Und diese Auswahl treffe ich selbst, vor der Messung.

Das Problem dabei ist die schiere Komplexität. Selbst bei einfachsten Themen.

Nimm Kaffee. Ein Thema, das jeder versteht.

Zuerst der Ort: „Café Stuttgart", „Café München", „Café Hintertupfingen" liefern jeweils völlig andere Ergebnisse. Und selbst innerhalb einer Stadt verschieben sich die Ergebnisse, wenn jemand mobil sucht und sich dabei ein paar Kilometer bewegt.

Dann die Unterthemen: „veganes Café", „Café mit Kuchen", „bester Kuchen Stuttgart", „Konditorei München". Alles Varianten und Synonyme desselben Grundbedürfnisses. Google erkennt diese Zusammenhänge selbstständig und fasst sie zusammen.

Für Werbetreibende ist das ein Vorteil. Man bucht „Kaffee Stuttgart" und wird automatisch auch bei verwandten Suchen ausgespielt. Ohne diese Zusammenfassung müsste jeder Werbetreibende jeden denkbaren Schreibfehler und jedes Unterthema einzeln einbuchen. Das wäre nicht mehr bedienbar.

Für die Marktanalyse ist genau das ein Problem. Googles Zusammenfassung hilft dem Werbetreibenden. Mir hilft sie nicht. Ich muss selbst entscheiden, welche Suchbegriffe stellvertretend für den gesamten Suchraum stehen können.

Konkret heißt das: „veganes Café" fliegt raus, weil danach im Vergleich zum Gesamtmarkt zu selten gesucht wird. Diese Entscheidung treffe ich vor der Analyse. Es ist eine Schätzung.

Dabei geht garantiert Information verloren. Das ist keine Vermutung, das ist sicher. Anders geht es nur nicht.

Jede Marktanalyse bei Google beginnt mit einer Entscheidung darüber, was nicht gemessen wird. Wer das nicht offenlegt, hat sie trotzdem getroffen.

Dritte Einschränkung: Wie viel zählt welcher Suchbegriff?

Selbst mit einem perfekten Satz an Suchbegriffen bliebe eine Frage offen: Wie gewichte ich sie untereinander?

Ist „veganes Café" wichtig? Ist „Kaffee Stuttgart" wichtig? Und um wie viel wichtiger?

Der naheliegende Maßstab wäre das Suchvolumen — also wie oft ein Begriff pro Monat bei Google eingegeben wird. Diese Zahl kann man bei verschiedenen Datenanbietern kaufen. Nur: Die Werte unterscheiden sich je nach Anbieter erheblich.

Für „veganes Café" sagt Anbieter A: null Suchanfragen im Monat. Anbieter B sagt hundert. Anbieter C sagt zweihundert. Anbieter D sagt fünfzig.

Warum? Weil niemand offenlegt, wie diese Datensätze im Hintergrund zusammengerechnet werden. Man kann nicht reinschauen.

Dasselbe gilt für die Kosten pro Klick — also den Betrag, den ein Werbetreibender an Google zahlt, wenn jemand seine Anzeige anklickt. Auch hier weichen die Werte je nach Anbieter deutlich voneinander ab.

Meine Antwort darauf ist unbefriedigend, aber sie ist ehrlich: Ich gewichte nicht nach Suchvolumen. Ich kann es nicht, weil die Zahlen dafür nicht verlässlich genug sind. Die Gewichtung passiert stattdessen eine Stufe früher — bei der Auswahl. Was in einer Gruppe drin ist, zählt. Was ich weggelassen habe, zählt nicht.

Damit ist die Auswahl der Suchbegriffe nicht nur der erste Schritt der Messung, sondern auch die einzige Gewichtung, die ich vornehme. Genau deshalb steht sie in jedem Report offen dabei.

Damit stapeln sich vier Unschärfen übereinander: meine eigene Auswahl der Suchbegriffe, Googles Abwehrmaßnahmen gegen das Scraping, die Personalisierung der Ergebnisse und die uneinheitlichen Zahlen zu Suchvolumen und Klickpreisen.

Bei dieser Datenlage kann man nur über Entwicklungen und Verhältnisse sprechen. Nicht über ein exaktes Wahrheitsbild.

Wer aus einem meiner Reports eine Zahl auf die Nachkommastelle zitiert, überdehnt sie. Wer daraus liest, dass Anbieter X den Markt deutlich stärker besetzt als Anbieter Y, liegt richtig.

Warum die Methode trotzdem belastbar ist

Nach drei Abschnitten Einschränkungen liegt die Frage nahe, was von der Sache eigentlich übrig bleibt. Die Antwort steckt in einem einzigen Wort: Standardisierung.

Das Vorgehen ist einmal festgelegt und wird für alle Reports identisch angewendet. Gleiches Messintervall, gleiche Laufzeit, gleiches Verfahren bei der Auswahl der Suchbegriffe, gleicher Anbieter.

Stellen Sie sich ein Lineal vor, das um drei Millimeter zu kurz ist. Wenn Sie damit zehn Bretter messen, ist jedes einzelne Maß falsch. Welches Brett das längste ist, sehen Sie trotzdem richtig. Und dass eines doppelt so lang ist wie ein anderes, auch.

Genau so funktionieren die Reports. Ein Fehler, der überall gleich wirkt, verschiebt die absoluten Werte. Die Verhältnisse zwischen den Anbietern lässt er intakt.

Ich messe nicht die Wahrheit. Ich messe alle Märkte mit demselben verbogenen Lineal — und deshalb sind die Vergleiche gültig.

Das gilt unter einer Bedingung: Der Fehler muss alle gleich treffen. Vollständig sicher ist das nicht. Ein Anbieter, der gezielt auf eine bestimmte Region oder eine bestimmte Tageszeit setzt, wird von der fehlenden Personalisierung anders erfasst als einer, der breit und gleichmäßig wirbt. Wie groß dieser Effekt ist, kann ich nicht beziffern. Ich kann ihn nur benennen.

Dazu kommt ein zweiter Prüfschritt aus der Praxis: Ich gleiche die Ergebnisse mit den Daten aus meinen eigenen Google-Ads-Konten ab. Passt das Bild zu dem, was ich dort real sehe? Wenn es abweicht, frage ich nach dem Warum. Kein blindes Vertrauen in die Rohzahlen.

Der nächste ehrliche Schritt zur Absicherung wäre ein systematischer Abgleich mit den Konten der Top-Anbieter eines Marktes selbst. Der ist nicht umsetzbar. Dafür bräuchte ich Kontozugriff bei den jeweiligen Wettbewerbern, und den gibt es naturgemäß nicht. Diese Lücke bleibt offen, und ich behaupte nicht, sie geschlossen zu haben.

Wie lange muss man messen?

Zwei Fragen entscheiden darüber, ob eine Messung überhaupt etwas wert ist.

Erstens: Habe ich genug Einzelmessungen gesammelt, damit Zufall keine große Rolle mehr spielt? Zweitens: Ab wann verändert sich das Bild nicht mehr wesentlich — habe ich also alle relevanten Werbetreibenden erfasst?

Ich habe das intern untersucht. Dafür gibt es bei mir ein eigenes Werkzeug, mit dem sich außerdem verschiedene Scraping-Anbieter gegeneinander vergleichen lassen.

Das Vorgehen, ohne Statistikvorlesung: Ich habe jeden Tag geprüft, wie stark sich das Marktbild gegenüber dem Vortag noch verändert. Zwei Fragen gleichzeitig.

Die erste: Bleibt die Reihenfolge der Anbieter stabil? Also — wer ist sichtbarer als wer, und bleibt das so? Um zwei Ranglisten auf Ähnlichkeit zu vergleichen, gibt es ein Standardverfahren aus der Statistik (Spearman-Rangkorrelation).

Die zweite: Verschieben sich die Anteile zwischen den Anbietern noch spürbar? Also nicht nur, wer vorne liegt, sondern mit welchem Abstand. Auch dafür gibt es ein etabliertes Maß (Total-Variation-Distanz).

Diese Kombination ist kein Selbstzweck. Eine stabile Reihenfolge allein reicht nicht aus. Die Reihenfolge kann längst feststehen, während sich die Abstände untereinander noch deutlich verschieben. Wer nur auf die Reihenfolge schaut, hört zu früh auf zu messen.

Das Ergebnis: Ab einem bestimmten Punkt verändert sich das Bild nicht mehr wesentlich. Die genauen Schwellenwerte behalte ich für mich. Entscheidend ist ohnehin das Prinzip.

Es wird so lange gemessen, bis neue Daten das Bild nicht mehr verändern. Nicht so lange, bis das Ergebnis gefällt.

Daraus folgt der Standard-Rhythmus, nach dem heute alle Reports laufen: zwei Wochen am Stück.

Diese Länge hat zwei Gründe. In zwei Wochen wird jeder Wochentag genau zweimal erfasst — Montage, Sonntage, alles doppelt. Und nach dieser Zeit sind Reihenfolge und Abstände nach der Auswertung oben stabil.

Die Messung läuft also nicht dauerhaft, sondern in Blöcken. Daraus folgt eine Einschränkung, die man kennen muss.

Ein Anbieter, der neu in den Markt einsteigt, taucht im Report nur auf, wenn er das innerhalb dieser zwei Wochen tut. Ein Anbieter, der aufhört, verschwindet nur dann, wenn er es in diesem Fenster tut. Alles, was zwischen zwei Messblöcken passiert, fehlt.

Ein Report ist eine Momentaufnahme von zwei Wochen. Kein laufendes Marktradar.

Wer ihn als Grundlage für eine Entscheidung nutzt, sollte deshalb auf das Erhebungsdatum schauen. Es steht in jedem Report.

Was sich mit Google-Ads-Scraping messen lässt — und was nicht

Das ist der Abschnitt, an dem sich seriöse von unseriösen Marktdaten trennen lassen.

Nicht messbar. Punkt.

Ich kann nicht sehen, wie viele Klicks ein Anbieter bekommt. Ich kann seinen Umsatz nicht sehen. Und ich kann nicht sehen, wie viele Anfragen bei ihm eingehen — also wie viele Interessenten sich tatsächlich bei ihm melden.

Diese Daten liegen ausschließlich im Google-Ads-Konto des jeweiligen Anbieters und in seinem eigenen Vertrieb. Von außen sind sie nicht zugänglich. Nicht mit besserer Technik, nicht mit mehr Budget — gar nicht.

Wenn Ihnen also jemand sagt, ein bestimmter Wettbewerber bekomme fünf Anfragen pro Monat über Google, dann ist diese Zahl nicht gemessen. Sie kann nicht gemessen sein.

Wer verspricht, die Anfragen eines Wettbewerbers zählen zu können, misst etwas anderes. Oder er schätzt und nennt es Messung.

Direkt messbar und belastbar:

Wie viel Aufmerksamkeit sich jemand einkauft. Also die Sichtbarkeit: In wie viel Prozent meiner Messungen war dieser Anbieter mit einer Anzeige vertreten?

Das ist eine harte Zahl. Sie beruht auf abgezählten Einzelbeobachtungen. Wenn Anbieter A in 50 % meiner Messungen vertreten war und Anbieter B nur in 20 %, dann ist das eine belastbare Aussage über das Verhältnis der beiden.

Qualitativ einschätzbar, nicht messbar:

Ich sehe die Anzeigentexte und die Seiten, auf die sie führen. Daraus lässt sich fachlich einschätzen, ob jemand sauber arbeitet oder nicht. Das ist eine Einschätzung, keine Messung — und ich kennzeichne sie in den Reports auch so.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Ich sehe nur, was Google tatsächlich ausgespielt hat. Nicht, was im Konto des Anbieters hinterlegt ist. Und weil jede Messung einen Nutzer ohne Vergangenheit simuliert, sehe ich den Normalfall — keine Sonderfälle, keine Ränder.

Ableitbar, aber nur als Zusammenhang:

Höhere Sichtbarkeit hängt mit höherem Werbebudget zusammen. Niemand bekommt 50 % Sichtbarkeit für 200 Euro im Monat. Das ist plausibel, aber es bleibt ein Rückschluss — keine Messung des Budgets.

Ähnlich beim Suchvolumen von Markennamen. Wie oft eine Marke direkt bei Google eingegeben wird, hängt damit zusammen, wie bekannt sie ist. Bei Papiertaschentüchern funktioniert das gut: Tempo wird um ein Vielfaches häufiger gesucht als die kleineren Marken, und genau so sieht auch der Markt aus.

In kleinen Nischen bricht dieses Prinzip zusammen. Bei CNC-Maschinen etwa wird der eine Hersteller deutlich häufiger namentlich gesucht als der andere — daraus folgt aber nicht, dass er entsprechend mehr verkauft. In einem Markt mit wenigen hundert Käufern im Jahr sagt die Bekanntheit im Netz wenig über die tatsächlichen Abschlüsse.

Zusammenhang ist nicht Ursache. Das ist der Punkt, an dem die meisten Marktdaten überdehnt werden.

Häufige Fragen

Wie werden die Google-Ads-Daten für die Marktreports erhoben?

Über einen professionellen Scraping-Dienstleister, der stündlich echte Suchanfragen bei Google stellt. Für jeden beobachteten Suchbegriff wird die Ergebnisseite ausgewertet: Welcher Anbieter wirbt, an welcher Position, mit welchem Text, mit welcher Zielseite. Die Messung läuft in Blöcken über jeweils zwei Wochen, damit jeder Wochentag zweimal erfasst wird.

Warum werden die Google Ads nicht selbst gescrapt?

Weil Google Scraping aktiv bekämpft und bei erkannten automatisierten Anfragen absichtlich falsche oder gar keine Ergebnisse ausliefert. Dagegen anzukommen ist eine Vollzeitaufgabe für Spezialisten. Ein spezialisierter Anbieter kann Anfragen vom tatsächlich gewünschten Ort und in großer Menge stellen, ohne als automatisierter Verkehr erkannt zu werden. An den Nutzungsbedingungen von Google ändert das nichts — es geht hier ausschließlich um die Datenqualität.

Wie genau sind die Sichtbarkeitszahlen in einem Google-Ads-Marktreport?

Sie sind belastbar als Verhältnis, nicht als absoluter Wert. Die Aussage „Anbieter A war in 50 % der Messungen vertreten, Anbieter B in 20 %" hält. Eine Nachkommastelle als exakte Wahrheit zu lesen, überdehnt die Daten. Grund sind vier zusammenwirkende Unschärfen: die Auswahl der Suchbegriffe, Googles Abwehrmaßnahmen, die Personalisierung der Suchergebnisse und uneinheitliche Zahlen zu Suchvolumen und Klickpreisen.

Warum sind gescrapte Google-Ads-Daten immer verzerrt?

Aus zwei Gründen. Erstens wehrt Google automatisierte Anfragen ab, sodass nie garantiert ist, dass das Zurückgelieferte identisch mit dem ist, was ein Mensch sehen würde. Zweitens personalisiert Google seine Ergebnisse anhand von Standort, Ortshistorie und allem anderen, was es über einen Nutzer weiß. Eine Scraper-Anfrage simuliert immer einen Nutzer ohne Vergangenheit. In meinen Messungen liefern deshalb nur rund 30 % der Suchanfragen überhaupt Werbeanzeigen zurück.

Kann man aus Google-Ads-Scraping ablesen, wie viele Anfragen ein Wettbewerber bekommt?

Nein. Klicks, Umsatz und eingehende Anfragen eines Anbieters liegen ausschließlich in dessen eigenem Google-Ads-Konto und Vertrieb. Von außen sind sie nicht zugänglich — unabhängig von Technik oder Budget. Wer solche Zahlen für einen Wettbewerber verspricht, misst etwas anderes oder schätzt.

Wie viele Suchbegriffe braucht ein Google-Ads-Marktreport?

Das hängt vom Markt ab. In engen Nischen reichen teils drei Suchbegriffe. In breiten Themenfeldern sind es zwanzig bis dreißig oder mehr, aufgeteilt in Untergruppen. Im Bereich Lohnfertigung umfasst die Gesamtgruppe rund achtzig Suchbegriffe über mehrere Teilbereiche hinweg — von CNC-Bearbeitung über Druckguss bis Baugruppenmontage, mit jeweils fünf bis fünfzehn Begriffen pro Teilbereich.

Warum werden die Google-Ads-Daten nur über zwei Wochen erhoben?

Weil in zwei Wochen jeder Wochentag genau zweimal erfasst wird und die interne Auswertung zeigt, dass Reihenfolge und Anteile der Anbieter nach dieser Zeit stabil sind. Die Einschränkung: Anbieter, die außerhalb dieses Fensters neu einsteigen oder aufhören, tauchen im Report nicht auf. Ein Report ist eine Momentaufnahme von zwei Wochen, kein laufendes Marktradar.

Was bedeutet Sichtbarkeit in den Marktreports genau?

Sichtbarkeit ist der Anteil der Messungen, in denen ein Anbieter mit einer Anzeige zu sehen war. Nichts anderes — kein Punktesystem, keine Bewertung. Bezugsgröße sind alle Messungen eines Suchbegriffs, auch die ohne Werbung. Für den Vergleich zwischen Anbietern spielt das keine Rolle, weil die Bezugsgröße für alle dieselbe ist. Die absolute Höhe der Zahl fällt dadurch niedriger aus, als ein echter Nutzer es erleben würde.

Alle veröffentlichten Marktreports und Artikel sind hier gesammelt: [Link: Hub-Seite]

Artikel Google AdsMethodikMarktdaten 2026 Die Methodik hinter den Marktreports: Datenerhebung, Aussagekraft und die Grenzen von Google-Ads-Scraping.

Selbstcheck

Was zeigen Ihre Kampagnen?

Zwölf Fragen, zwei Minuten, kein Accountzugriff: Sie sehen sofort, an welchen Stellen in Ihrem Konto Budget verloren gehen kann.

Oder direkt fragen — schreiben Sie mir, was bei Ihnen gerade ansteht.

  • Ich antworte persönlich.
  • Wenn es nicht passt, sage ich das klar.
  • Keine Newsletteranmeldung, keine Marketingliste.